Montag, 14. September 2015

Über achtzig Mal in vino veritas - Koblenzer Winzer laden zur Rathaus-Weinverkostung ein

Koblenz. Vierzehn der siebzehn Koblenzer Winzerbetriebe aus den vier Weinbau betreibenden Stadtteilen Lay, Moselweiß, Güls und Ehrenbreitstein präsentierten sich im Rathaussaal mit je sechs verschiedenen Weinen bzw. Sekten. Dabei dominierte ganz klar der Riesling, eine weiße Rebsorte, die in den beiden Koblenzer Anbaugebieten Mittelrhein und Terrassenmosel ideale Voraussetzungen findet. Die meisten Weinbaubetriebe boten schon ihre 2013er Weine an, obwohl die Verfüllung größtenteils erst in den nächsten Tagen und Wochen erfolgt. Der erste Vorsitzende der Koblenzer Winzer, Karsten Lunnebach, Inhaber des Gülser Weinguts Karl Lunnebach, eröffnete zusammen mit Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig die Veranstaltung. Ein Hoch auf die Koblenzer Weine brachten zudem aus die Koblenzer Weinkönigin Lorena Kollmann sowie die drei Gülser Blüten- und Weinmajestäten, Königin Laura Jeromin mit ihren Prinzessinnen Nina Kadenbach und Lena Netta.
Hofmann-Göttig, bekennender Rotwein-Liebhaber, verkostete selbst manch edlen Tropfen. Hatte er sich zuvor noch ausschließlich auf die Rotweine festgelegt, so sah man ihn später doch auch einmal weiße Weine probieren. Seinem Ausspruch „Die Schwarzen können die weißen trinken“ blieb er demnach nicht ganz treu. Kein Wunder, denn die weißen Qualitäts- und Prädikats-Weine waren in der Mehrzahl. Je nach Variante und Winzer unterschieden sie sich vor allem und ganz erheblich durch den Restzuckergehalt, für den Werte zwischen 1 bis 65 g/l angegeben waren. Abgerundet im Geschmack, ausgeglichen in Alkohol und Säure, so wünscht sich der Winzer einen guten Wein, sagte Toni Reif vom gleichnamigen Weingut in Moselweiß. In dieser Hinsicht empfiehlt er von seinen 2013ern besonders den Spätburgunder Rotwein trocken mit 13,5 Volumenprozent Alkohol. Wessen Sensorik gut geschult ist, schmeckt bei verschiedenen weinen sogar Brombeer- oder andere leichte Aromanoten heraus. Viel Nachfrage erfuhr an diesem Tag der Blanc de Noir, ein Weißwein aus roten Trauben, den einige Winzer im Ausschank hatten. Die Sorte mit dem wohlklingenden Namen scheint als Alternative zu Weißherbst oder Rosé schlichtweg angesagt zu sein. „Ein leichter Wein, ideal für die ersten Frühlingstage“, bestätigte auch Nina Saas, die am Stand des seit 1890 in Koblenz ansässigen Weinguts Christof Schwaab aus Güls beim Ausschank half. Der Oberbürgermeister probierte allerdings zunächst lieber den roten 2011er Spätburgunder trocken, ein Qualitätswein vom Koblenzer Marienberg, ließ sich dann aber doch noch zu einem kleinen Blanc de Noir-Ausflug hinreißen. Sein Kreuzchen in der Probenliste setzte er dennoch hinter den Spätburgunder. Ein Weißburgunder war der einzige Wein des Jahrgangs 2013, den das Weingut Wagner aus dem Ehrenbreitsteiner Mühlental zur Probe mitgebracht hatte. Der Wein mit seiner milden Säure sei eine gute Alternative zum Riesling und habe sich als Trend durchgesetzt, gab Christian Wagner an, der Winzer der vierten Generation des rechts-rheinisch gelegenen Weingutes ist. Das Angebot von gleich drei 2012er Spätlesen belegten das Prinzip der Winzerfamilie, die Trauben in dem sechs Hektar großen Steilhang immer so lange wie möglich an den Reben zu belassen.
Nicht alle Koblenzer Winzer allerdings betreiben ihr Weingut im Haupterwerb. Nur 0,4 Hektar Anbaufläche bewirtschaftet zum Beispiel Rolf Göbel aus Lay, "Addi", der seit 2011 zusätzlich einen Bier- und Weingarten betreibt. In dem seit Generationen bestehenden Weinbetrieb produziert er nicht nur verschiedene Rieslingweine sondern auch Weinbrände und andere Hochprozentige Getränke. Die 2013er Weine, die er im Rathaus schon als erste Fassproben anbot, sollten erst ein paar Tage später zur eigentlichen Abfüllung gelangen. Über die Qualität dieses Jahrgangs waren sich alle befragten Winzer einig, obwohl das Klima gerade am Ende der Reifezeit eher problematisch gewesen sei. Durch hohe Feuchtigkeit in den letzten Wochen reiften viele Trauben nicht voll und konnten weniger Zucker einlagern. Weil Säure aber auch ein Geschmacksträger ist, erreichten die 2013er-Weine doch eine hochwertige Qualität, nur bei der Quantität mussten zum Teil große Einbußen hingenommen werden. "Mit blauem Auge davon gekommen", fasste es Andreas Mader vom Weingut Hans Mader aus Lay zusammen, der sogar nur die Hälfte der Vorjahresmenge produziert haben will. Da hat es offenbar auch nichts genutzt, dass seine Weinlagen in und um Koblenz breit aufgestellt sind. Die meisten Koblenzer Winzer bewirtschaften Rebflächen nur in ein oder zwei Weinlagen. Manche gehen allerdings fremd. So wie Karsten Lunnebach, der das Weingut in der vierten Generation führt. Er hat Weinlagen auch im Winninger Domgarten - die Liebe zu den Trauben kennt eben keine Grenzen. Dort und in Güls wachsen bei ihm auf insgesamt rund sechs Hektar eine Vielzahl an Rebsorten. Darunter die erst seit 1971 existierende, seit 2002 zugelassene, beliebte rote Sorte Acolon, eine Dornfelder-Kreuzung.
Besucher der Weinverkostung im Rathaus, die hier ihren neuen Lieblingswein gefunden haben, werden sich nicht nur die eine oder andere Flasche nach Hause holen, sondern sich vielleicht auch einmal das Weingut anschauen wollen. Viele von ihnen machen mittlerweile den Wein zum Erlebnis mit verschiedensten Angeboten wie speziellen Weinfesten, Weinproben, Weinbergtouren oder Kellerrundgängen. Christof Schwaab hat sich, speziell für die Jugend, zwei neue Varianten ausgedacht. Ab Mai bietet der Winzer Geocaching im Weinberg an, den er zu einem Grünen Klassenzimmer mit Weinbergführungen für Schüler umfunktionieren will.
Bei der Rathaus-Weinverkostung konnten sich die Besucher jetzt schon einen kleinen Vorgeschmack auf das holen, was die Rotweinprobe, die im November stattfinden wird, unter Beweis stellen soll, und wovon der Oberbürgermeister überzeugt ist: "In Koblenz gibt es auch sehr gute rote Weine!" - BSB -

Mit Senioren unterwegs - Schiffstour auf dem Rhein

Die Nachfrage nach der vom Amt für Jugend, Familie, Senioren und Soziales der Stadt Koblenz durchgeführten Ganztages-Schiffstour für Seniorinnen und Senioren wird von Jahr zu Jahr größer. Innerhalb weniger Stunden nach Vorverkaufs-Start waren die im Bürgeramt der Stadt Koblenz erhältlichen sechshundert Karten ausverkauft.
Als dann am Morgen "MS Rheingold", ein Schiff der Rheinschifffahrt Hölzenbein GmbH, am Anleger am Konrad-Adenauer-Ufer festmacht, füllen sich die beiden Decks im Nu. Jeder will natürlich den für sich optimalen Platz "ergattern". Die Mutigeren suchen sich einen Platz auf dem Sonnendeck, obwohl am Himmel noch dunkle Wolken die Sonne verdecken und ein kühler Wind einen längeren Aufenthalt dort nicht besonders angenehm macht. Als Punkt 10 Uhr Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig und Bürgermeisterin Marie-Theres Hammes-Rosenstein an Bord kommen, kann die Fahrt rheinabwärts Richtung Linz losgehen. "Klaus von der Karthaus", Klaus Eppenich, sorgt am Keyboard mit einem immensen Lied-Repertoire für die richtige Stimmung zum Schunkeln, Tanzen oder Mitsingen. Doch zuvor heißt es noch einmal zuhören. Denn der Oberbürgermeister berichtet stichpunktartig von den großen Themen, mit denen sich alter und neuer Stadtrat beschäftigen. Besonders viel Applaus spenden die Gäste für die Nachricht, dass der Bau eines neuen Hallenbades im Büropark Moselstausee jetzt beschlossene Sache ist. Denn ein Schwimmbad wünschen sich viele, um bei täglichen Runden im Wasser etwas für das Fitbleiben zu tun. Wie fit die Bordgäste allesamt sind, das verwundert die Bürgermeisterin kaum - bestätigt es doch, was ihr betagte Senioren immer wieder sagen: In Koblenz könne man richtig gut alt werden. Immerhin leben in dieser Stadt 32 Personen, die sogar 100 Jahre und älter sind. Nach diesem "offiziellen Teil", gehen die Stadtoberen durch die Reihen, schütteln viele Hände und nehmen sich Zeit für kurze Gespräche. Natürlich erhält auch Kapitän Alexander Hölzenbein am Steuerstand Besuch von Hofmann-Göttig. Obwohl der sich trotz seiner langjährigen Erfahrung ein wenig auf das "Rennen der Giganten" auf dem Fluss konzentrieren muss, gibt er gerne Auskunft über das Schiff, das er nach eigenen Entwürfen vor mehr als zwanzig Jahren in Oberwinter bauen ließ. Es ist 55 Meter lang und 11 Meter breit, verfügt über einen 18.000 Liter-Tank und verbraucht rund 100 Liter Diesel pro Stunde, erzählt Hölzenbein. Mit dem Tankinhalt von jetzt noch 6.000 Litern könnte er die Fahrgäste also weitere sechzig Stunden lang befördern. Doch bis Linz und zurück werden nur etwa sechseinhalb gebraucht. Seine "wertvolle Fracht", für die er immer wieder persönlich nach dem Rechten schaut, befördert der Kapitän jetzt vorbei an Kaltenengers, Weißenthurm, Schloss Engers und vielen anderen interessanten und schönen Ausblicken. In Bad Breisig, nach anderthalb Stunden Fahrtzeit, gehen die Stadtoberen von Bord, nachdem sie zusammen mit allen Gästen das im kleinen Reise-Preis inbegriffene Mittagessen, bestehend aus Kartoffelsalat und einer großen Bockwurst, eingenommen haben. Nach der Stärkung und einer weiteren Stunde Fahrt beginnt in Linz die Ausschiffung für alle. Die Schräge der Anleger-Rampe zu bewältigen, stellt hier für den einen oder anderen Gast ein kleines Problem dar. Nicht verwunderlich, wenn man all die Gehhilfen und Rollatoren im Eingangsbereich des Schiffes stehen sieht. Doch schließlich ergießt sich das große Heer der Schiffsreisenden in die schöne Linzer Altstadt, die damit schlagartig eine Belebung erfährt, über die sich natürlich besonders die Geschäftsleute und Gastronomen freuen. Denn die meisten wollen sich hier auch etwas gönnen, ein Stück Kuchen, ein Eis, eine kleine Erinnerung. Die zwei Stunden Aufenthalt vergehen sehr schnell. "Wenn Du nicht nach Hause schwimmen willst, musst Du jetzt voran machen!" ermahnt da sogleich der Ehemann seine Liebste. Die Rückfahrt nach Koblenz genießen viele auf dem obersten Deck, denn die Sonne zeigt sich nun endlich in ihrer ganzen Pracht. Kurz vor Erreichen des Heimathafens, trägt das Altstadtoriginal Manfred Gniffke, der mit seiner Ehefrau an Bord ist, noch einmal zur Erheiterung aller bei. "Dat Kowelenzer Schängelche"-Lied gab der Alleinunterhalter Klaus vorhin nicht in der "einzig wahren" Mundart zum Besten, den Fehler will Gniffke korrigieren. Und wenn er einmal ein Mikrofon in der Hand hat, ist er ganz in seinem Element. Mit viel Humor gewürzt, dankt er all denen, die zum Gelingen dieses Tages maßgeblich beigetragen haben. Er dankt dem Musiker für seinen stundenlangen Einsatz, den als Organisatoren tätigen Mitarbeitern des Sozialamtes, besonders Monika Herber, ihrer Kollegin "Alex" und dem als Fotograf mitgereisten Gisbert Morgenroth. Auch das freundliche Personal vergisst Gniffke nicht. Und dann singt er es endlich, das Schängelche-Lied, die "Koblenzer Nationalhymne". Das ist sichtbar eine Herzenssache für ihn. So stimmen schnell alle mit ein, besonders ausgelassen das Personal. Bald wird es Zeit, sich zu verabschieden. "Bis zum 23. September!" sagen viele. An diesem Tag startet nämlich der traditionelle Seniorennachmittag mit Volksliedern in der Rhein-Mosel-Halle. Den will man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Sonntag, 23. August 2015

Die Harleys rollen in Koblenz ein - 2014

Weil eine Harley Davidson allein noch keinen Sommer macht, gab es kurz vor Sommeranfang Verstärkung von weit mehr als achthundert Motorrädern, die zum Auftakt des 13. Biker-Treffens "Magic Bike Rüdesheim" mit ihren Fahrern die landschaftlich schöne Strecke von Rüdesheim durch das UNESCO Welterbe Mittelrheintal nach Koblenz rollten. Bei dieser siebten, von Initiator Herbert Piel organisierten Welterbe-Rundfahrt sollte der Stopp ursprünglich vor dem Kurfürstlichen Schloss in Koblenz eingelegt werden. Weil dort jedoch eine andere Veranstaltung stattfand, die mit dem Termin kollidierte, wurde die Parkebene auf dem Dach des Koblenzer Löhr Centers als ein sehr spezieller Ausweich-Ort angeboten. Das am Fronleichnams-Feiertag eigentlich geschlossene Center-Parkhaus war speziell für die Biker geöffnet und die oberste Parkebene ihnen für ihr Treffen kostenfrei zur Verfügung gestellt worden. In diese luftige Höhe über Koblenz verschlug es allerdings nur wenige Fans der Kult-Motorräder mit dem besonderen Design und dem ganz speziellen Sound. Doch zumindest die beeindruckende Einfahrt der Biker-Kolonne wurde von etlichen Interessierten beobachtet. Im Konvoi fahrend, mit Polizei-Geleit und Hubschrauber-Observierung erreichten die aus ganz Deutschland, und vereinzelt auch den angrenzenden Ländern kommenden Biker ihr Pausenziel. Minutenlang dröhnten die Motoren, während eine Maschine nach der anderen auf das Parkdeck rollte. "Was hier los ist, kannst Du Dir nicht vorstellen", berichtete einer der Biker aufgeregt seinem Handy-Gesprächspartner. Auch ich war komplett begeistert: "Was für ein Event!" An der Essensausgabe verursachte der in diesem Jahr aufgestellte Teilnehmer-Rekord eine rekordverdächtig lange Schlange. Doch die Biker nahmen es gelassen. Sie nutzten die Wartezeit, um die Aussicht auf die Stadt zu genießen und sich auszutauschen über die Strecke und die Erlebnisse beim Fahren in der Kolonne. Natürlich diente der rund einstündige Aufenthalt auch der Begutachtung der vielen verschiedenen Harley-Modelle der anderen Fahrer. Man fachsimpelte über Technik, Lackierungen und Umbauten, die nahezu jeder Maschine ein ganz individuelles Aussehen gaben. Zwischen all den Harleys parkten auf dem Deck auch einige Motorräder anderer Marken wie Honda, BMW oder Yamaha - sogar ein Trike war dabei. Teilnehmen dürfe schließlich jeder Biker, klärte ein Mitfahrer auf. Selbst mit einem Vespa-Roller dürfe man sich der Tour anschließen. Doch, mit meiner Vespa an dem Konvoi teilzunehmen, hätte ich als respektlos erachtet. Wer glaubt, eine Harley Davidson müsse zwangsläufig von dem Typus "tätowierter langhaariger Rocker" gefahren werden, der irrt. Heutzutage sind die Fahrer meist reiferen Alters, eher grauhaarig oder kahlköpfig und machen einen recht zahmen, soliden Eindruck. Weibliche Fahrerinnen sind offenbar immer noch die Ausnahme. Vielleicht ist ihnen ein durchschnittliches Leergewicht von mehr als 300 Kilogramm schlichtweg zu viel. So waren die meisten Damen als Sozia unterwegs. Selbst ein kleiner Hund durfte auf der Welterbetour seine Menschen auf dem Motorrad begleiten. Er hatte (angeschnallt) seinen Platz ganz vorne auf dem Bike, ausgestattet mit Sonnenbrille und Lederweste. Als am Nachmittag das Zeichen zum Aufbruch gegeben wurde, starteten Hunderte von Motoren fast gleichzeitig. Das Löhr Center erzitterte unter dem unvergleichlichen Klang, dem Blubbern und Dröhnen, das ein ganzes Lebensgefühl verkündet. Vielleicht wird der "ohrenbetäubende Lärm", wie manche es nennen, in Zukunft anders klingen, wenn nämlich die nächsten Harley-Generationen mit Elektromotoren ausgerüstet sind. Die Ausfahrt aus dem Parkhaus gelang tadellos und sehr diszipliniert. Die Fahrer zog es zurück nach Rüdesheim, wo die viertägige "Magic Bike" unter anderem mit Stuntshows, Musik-Feuerwerk und zahlreichen Konzerten auf drei Bühnen den wohl mehr als 25.000 Teilnehmern und Besuchern ein großes Unterhaltungsprogramm bot. Ein weiterer Höhepunkt des Biker-Treffens war, wie schon in den vergangenen Jahren, die Motorradparade durch den Rheingau.

Lange Museumsnacht in Koblenz - 2014

Wieder einmal bin ich der Einladung der Koblenzer Museen, Galerien und Ateliers zur Langen Nacht der Museen gefolgt, in diesem Jahr 2014 mit 27 teilnehmenden Häusern. Die Eröffnung erfolgte durch den Kulturdezernenten der Stadt bei der Arbeitsgemeinschaft bildender Künstler am Mittelrhein im Haus Metternich auf dem Münzplatz. Der großen Anzahl der Eröffnungsgäste erklärte der Kulturdezernent, wie wichtig eine Veranstaltung wie diese sei, um die Bedeutung der Kunst einmal gezielt hervorzuheben. Kunst, besonders wenn sie qualitativ so hochwertig wie in Koblenz sei, mache eine Stadt lebens- und liebenswert. Die Vorstandsvorsitzende der Künstlergruppe kündigte für die Nacht im Haus Metternich mit allen Sinnen erlebbare, lebendige Interaktionen an. Das Konzept zu der eigens für die Museumsnacht mit "BeSINNlich" betitelten Ausstellung beinaltete neben der Bildenden Kunst, Lesungen, Musik sowie Video- und Fotodokumentationen. Performative Installationen sollten den Prozess des Entstehens von künstlerischen Arbeiten für die Gäste sichtbar machen. Als Künstler wirkte unter anderem David Hardy mit, der neben Wänden auch seinen Regenschirm als Ausstellungsfläche nutzte. Der Besucher wurde im Ausstellungshaus mit Sinnesreizen nahezu überflutet. Hier hätte man sich die ganze Lange Nacht "um die Ohren schlagen können", ohne sich auch nur einen Moment zu langweilen.
Selbst wenn es nicht gelingen konnte, in den sechs zur Verfügung stehenden Stunden alle Häuser mit mehr als achtzig Einzelveranstaltungen zu besuchen, wollte jeder doch möglichst viele Kunstbegegnungen erleben. Mit einem Bus-Shuttle ließ sich fast jedes teilnehmende Haus, selbst das etwas abseits gelegene DB Museum, mühelos erreichen. Wahre Eisenbahnfreunde gelangten dorthin mit dem Historischen Sonderzug der DB. Um den Überblick nicht zu verlieren, welches Haus welches Programm bot, und wie man dorthin kommen konnte, gab es erstmalig eine kostenlose "Museumsnacht-App" für Smartphone-Nutzer. Trotzdem blieb niemandem die Qual der Wahl erspart. Gerade die Museen, speziell Mittelrhein- und Ludwig-Museum hatten ein abendfüllendes Programm auf die Beine gestellt, boten auch den jungen Kunstfreunden auf sie ausgerichtete Aktionen. Wer per Seilbahn zur Festung Ehrenbreitstein gondelte, erlebte Kunst schon während der Fahrt mit der in den Gondeln installierten Ausstellung "Sky Art". Noch viel mehr Kunst und Kultur gab es auf der Festung. Neben spannenden (Themen-)Führungen feierte zum Beispiel das Landesmuseum die "Lange weiße Burgundernacht zum Barock" mit Musik und Gaumenfreuden bei Kerzenschein. Und in der Festungskirche gab es eine weitere Begegnung mit der Künstlergruppe AKM, die hier zusammen mit der "Ökumene in der Festungskirche" Mircea Handaburas Ausstellung "Grenzerfahrungen", begleitet von Text-Musik-Collagen, zeigte.
Auch in der am Fuße der Festung gelegenen Kunstresidenz Ehrenbreitstein war die reiche Kunst- und Galerieszene in der Museumsnacht sehr aktiv. In einer Galerie wurde eine  Fotoserie präsentiert, die sich dem Architekturprojekt "Nuova Corviale" am Rand von Rom widmet. Mit einer besonders interessanten Idee wartete eine andere Galerie auf. Hier präsentierte ein Künstler seine Porträtausstellung und die neunmonatige Entstehungsgeschichte seines fiktiven Bildnisses von Maria Magdalena Keverich, der Mutter Ludwig van Beethovens. Zur Enthüllung des Gemäldes ging es in einem fröhlich-lärmenden, von Schauspielern begleiteten Kerzen-Umzug quer über das auf dem Kapuzinerplatz stattfindende Krebbelchenfest zum Mutter-Beethoven-Haus. Dicht an dicht drängten sich die Gäste im Obergeschoss, wo das Programm mit Live-Musik umrahmt wurde. Die Idee des Künstlers wurde sehr gelobt, denn bisher gebe es keine Abbildung von der jungen Maria Magdalena. Der Künstler überließ das von ihm gemalte Bildnis dem Haus als Schenkung. Eine junge Ehrenbreitsteinerin habe ihm dafür Modell gesessen, erklärte er. Die hübsche Frau mit dunklen Haaren und melancholischen Augen verkörpere für ihn genau das, was die Literatur Maria Magdalena Keverich an Eigenschaften zuspricht. Mit verschiedenen Symbolen gestaltete der Künstler den Hintergrund des Bildes. Die Galeristin erklärte die Ausführung als klassisch gemalt, fast altmeisterlich. Das Bild rede mit dem Betrachter, es gehe auf die Dramatik im Leben der Maria Magdalena ein, wurde in einer Laudatio das Werk gewürdigt, Mit diesem inspirierenden "Wesensporträt" sei es dem Künstler gelungen, das Denken und die Phantasie des Betrachters anzuregen.
Nach der Veranstaltung zog es viele Gäste zum Rhein-Museums oder zu einem etwas oberhalb des Ortes gelegenen Atelierhaus, wo zahlreiche große Skulpturen, Farbholzschnitte, Zeichnungen und eine Menge mehr Kunst zu bestaunen waren. Ein besonderer Hingucker  waren eine blaue und beleuchtete 2,80 Meter große Pferdefigur im Garten sowie eine riesige Giraffe im Erdgeschoss des Atelierhauses, deren Kopf neugierig in den ersten Stock blickt. Die meisten Figuren, mit denen "zu spielen" die Künstlerin ausdrücklich auffordert, sind wetterfest. Den immer wieder hineinschauenden Gästen zeigte die Künstlerin noch viel mehr von dem, was ihre Kreativität im Laufe der Jahre hervorgebracht hat. Dabei fand sich sogar ein weiteres Bildnis von Maria Magdalena Keverich. Sie ist die Karo Dame auf dem Kartensatz, den die Künstlerin vor Jahren einmal zeichnete.
Noch mehr Kunst zu erleben, blieb wegen mangelnder Zeit ein reines Wunschdenken. Ich habe mir vorgenommen, die anderen Häuser einfach einmal an solchen Tagen besuchen, wenn nicht gerade ganz Koblenz im Kulturrausch ist.

Ich erhalte eine Friedhofsführung

Mit einer Fläche von rund dreißig Hektar ist der im Jahr 1820 eingeweihte Koblenzer Hauptfriedhof der größte der insgesamt zwanzig städtischen Friedhöfe und ein geschütztes Kulturdenkmal. Um möglichst viel über den Friedhof und die Grabstätten zu erfahren, schließt man sich am besten einer fachkundigen Führung an. Bevor der Friedhof hier zwischen Goldgrube und Karthause angelegt wurde, befand er sich seit 1777 am Löhrtor. Da der neue Standort im Schussfeld der Festungswerke lag, das übersichtlich gehalten werden musste, war anfangs die Errichtung von stehenden Grabsteinen und Grüften verboten. Schon 1833 wurde eine erste Erweiterung des Friedhofs notwendig. Schwere Beschädigungen erfuhr er mit den Luftangriffen auf Koblenz im Zweiten Weltkrieg. Noch heute sind Spuren davon an einigen Grabmälern auszumachen. Ab den 1950er/60er-Jahren wurde der Hauptfriedhof massiv umgestaltet bis zu dem parkähnlichen Erscheinungsbild von heute. Mit dem, in den 1980er-Jahren angelegten Arboretum fand er sogar Aufnahme in die „Route der Welterbegärten". Seit dem Jahr 2002 ist er Teil des UNESCO-Welterbes „Oberes Mittelrheintal". Eine malerische, Mitte des 19. Jahrhunderts gepflanzte Platanenallee ist das Herzstück im terrassenförmig angelegten historischen Teil des Friedhofs. Durch diesen werde ich heute geführt, denn hier ist eine große Anzahl denkmalwerter Grabstätten bekannter und verdienter Koblenzer Persönlichkeiten zu besichtigen. Ganz nahe beim Haupteingang und dem dort stehenden großen, runden Mosaik-Brunnen wird mir ein Grab aus dem Jahr 1867 gezeigt, das sich durch den Erhalt der Original-Bepflanzung, zwei die Grabstätte flankierende Eibenbäume, als Besonderheit auszeichnet. Bei der folgenden Führung gibt es viel zu lernen über Material und Baustile. Der Friedhofsführer zeigt mir Grabmäler aus Granit, rotem Sandstein, Lahnmarmor, Keramikplatten und Mosaik. Als erstes Zeitzeugnis der Koblenzer Bestattungskultur gilt die kleine Kollektion historischer, spätbarocker Grabkreuze, von verschiedenen Koblenzer Friedhöfen geborgen und hierher verbracht. Genauso die auf vielen Gräbern liegenden Grabsteine, Kissensteine, die in der Zeit verwendet wurden, als hohe Grabaufbauten auf dem Friedhof noch verboten waren. Die große Familiengrabstätte aus dem frühen 20. Jahrhundert mit einem Grabmal aus poliertem schwarzen Granit, wäre anfangs jedenfalls nicht möglich gewesen. Sie sei der Stadt Koblenz als „erhaltenswert" empfohlen worden, ebenso wie andere Grabstätten, die es wegen einer zeittypischen Gestaltung oder der bestatteten (bedeutenden) Persönlichkeiten zu erhalten gelte. Zahlreiche Grab- und Ehrenmäler auf dem Hauptfriedhof haben eine Eintragung als Kulturdenkmal erhalten. Dazu gehört eines der hier bedeutendsten Familiengräber, das der Familie Vahlbruch. Es ist verziert mit Jugendstilelementen, wozu auch die vollplastische Figur des trauernden Engels gehört. Der 1911 verstorbene Hauptmann Ernst Vahlbruch soll besonders wegen seines militärischen Wirkens für die Festung Koblenz und Ehrenbreitstein bekannt gewesen sein. Das älteste Grabmal des Friedhofs ist aus dem Jahr 1824. Hier liegt Freiherr von Thielmann begraben, ein General der napoleonischen Zeit, der unter anderem in Koblenz kommandierte. Seine Grabstätte ist mit einem Helm, eine Arbeit der Sayner Hütte, verziert. Von der Sayner Hütte stammen noch andere Arbeiten auf dem Friedhof, wie zum Beispiel die drei nebeneinander stehenden Grabmäler von Mitgliedern der Familie Wegeler. Und das großartige Tabernakel-Grabmal von Pfarrer Carl Albrecht, der fast dreißig Jahre lang Pfarrer der Pfarrei Liebfrauen war und 1833 in Koblenz gestorben ist. Das soll zu den prominentesten auf dem Friedhof gehören. Das skurrilste ist vielleicht das Grabmal der Familie Aldenhoven - Franz Hubert war einer der ersten, der hier beigesetzt wurde. An der Seite des schlichten Marmorsteins ist ein Hinweis auf das berühmte „Götz von Berlichingen"-Zitat eingemeißelt. Was Aldenhoven dazu veranlasste, kann mir niemand erklären. Beim weiteren Rundgang „begegne" ich vielen prominenten Verstorbenen. Wie beispielsweise Peter Altmeier, zweiter Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, Justizrat Dr. Karl Weber, der immerhin ein halbes Jahr lang als Bundesjustizminister amtierte, Caroline Settegast, Mitbegründerin des katholischen Frauenvereins St. Barbara und etlichen ehemaligen Oberbürgermeistern der Stadt Koblenz. Dazu gehören Hubert Josef Cadenbach, Willi Hörter, Wilhelm Kurth, Carl Heinrich Lottner, Josef Schnorbach und Emil Schüller. Wie bei Willi Hörters Grabstein, haben immer wieder Koblenzer Bildhauer und Steinmetze auf dem Friedhof ihre Spuren hinterlassen. Hier ist es die Koblenzer Bildhauerin Edith Peres-Lethmate, die das Dreifaltigkeits-Relief auf seinem Grabstein gestaltete. Mit einem Relief-Bildmotiv zum Thema Sterben und Trauer auf der Grabstätte der Familie Hils vom Bestattungsunternehmen Bloemers ist eine Arbeit des Bildhauers Rudi Scheuermann erhalten geblieben. Nachdenklich und ehrfürchtig verharre ich ein wenig später vor den imposanten Kriegsgräberehrenstätten des ersten und zweiten Weltkriegs und der Gedenkstätte für die Toten in Deutschlands Osten. An der Wiesenfläche, auf der über vierhundert Kissensteine an die Opfer des 1. Weltkriegs erinnern, zeigt mir der Führer eine historische Todesanzeige für einen 19-jährigen, der 1918 an den Folgen eines Lungenschusses verstarb. Eine weitere Gedenk- und Grabstätte erinnert an die 38 Toten des sich bei der Rheinland-Befreiungsfeier im Jahr 1930 ereigneten Unglücks, als eine Behelfsbrücke im Lützeler Hafen zusammenbrach, 14 der Unglücksopfer sind hier begraben. Als wir an einem Glockenturm vorbeigehen, erfahre ich, dass diese Glocke früher immer dann geläutet hat, wenn die Friedhofstore geschlossen wurden. Da die Tore heute immer offen bleiben, wird der Turm nicht mehr gebraucht. Die Fledermäuse freut es, sie haben sich dort eingenistet. Jede der viele weiteren besichtigten Grabstätten hat ihre eigene kleine, oftmals skurrile Geschichte. Dass aber gerade die Grabstätte des Schängellied-Schöpfers, des 1943 verstorbenen Mundartdichters Josef Cornelius, ein derart schmuckloses Grab mit einem schlichten, unscheinbaren Grabstein ist, enttäuscht mich ein wenig. Bevor die Führung nach rund zweieinhalb Stunden endet, gibt es noch einen letzten Halt an dem Friedhofskreuz und der Leichenhalle, die nach Plänen von Lassaulx 1821-22 erbaut wurde. Nach mehrmaligen Umbauten und der Kriegszerstörung wurde sie 1959-60 als Friedhofskapelle mit einer dahinter liegenden Leichenhalle neu aufgebaut.

Ich wandere mit den Schnellen Füßen

Von Mülheim-Kärlich nach Crailsheim führte die erste Busfahrt des Jahres den Volkssportverein „Schnelle Füße Koblenz". Die rund 25 mitfahrenden Mitglieder - Einzelpersonen, Paare oder Familien - interessiert aber nicht das attraktive Stadtmuseum der baden-württembergischen Kreisstadt und es ist auch nicht die Johanneskirche dort, für die sie die rund 300 Kilometer Anfahrt und ein frühes Aufstehen am Karnevals-Sonntag in Kauf nehmen. Sie sind einzig und allein wegen des 55. Internationalen Wandertags der Wanderfreunde Crailsheim, eine Veranstaltung des Internationalen Volkssportverbands (IVV), auf ihren „schnellen Füßen". Nach der Abfahrt vom Schulzentrum in Mülheim-Kärlich, folgen noch drei Stopps zwischen Westerwald und Taunus, bei denen weitere Teilnehmer zusteigen, die sich auf die fünf, elf und zwanzig Kilometer-Strecken begeben wollen, wandernd oder joggend. Das jüngste Vereinsmitglied, der viermonatige Fynn, ist im kleinen Familienkreis unterwegs und der Star des Tages, weil er die Busfahrt genauso entspannt hinnimmt wie den Trubel in der Turnhalle im Stadtteil Westgartshausen. Dort ist Start und Ziel für alle rund 1.500 Teilnehmer, Mitglieder von Wandervereinen aus ganz Deutschland. Der Koblenzer Verein ist der letzte, der sich an diesem Tag anmeldet. Der Reiseleiter besorgt sogleich die Startkarten und teilt sie an die Mitreisenden aus. In der bis auf den letzten Platz gefüllten Turnhalle kann sich jeder mit Kaffee und Kuchen oder einer warmen Mahlzeit vor der Wanderung stärken. Die Bewirtung übernehmen die einladenden Wanderfreunde. Und dann machen sich die ersten „Schnellen Füße" auf den Weg, die meisten im Alleingang, denn jeder hat sein persönliches Wohlfühl-Tempo. Kniebundhosen und Wanderschuhe sind offenbar ausgestorben, der heutige Wanderer trägt funktionale Freizeitkleidung. So ist es kaum möglich, die Teilnehmer unterwegs als solche auszumachen, denn Armbinden oder eine andere einheitliche Kennzeichnung gibt es nicht. Immerhin tragen manche wenigstens ein Shirt mit einem Vereinslogo. Die Strecke ist ausgezeichnet markiert, ein Verlaufen ist nahezu ausgeschlossen, zumal es kaum Ablenkungen gibt. Die meiste Zeit ist links und rechts nicht mehr zu sehen, als gepflügte Ackerflächen, die den Weg säumen. Sie sind noch leicht mit Schnee bestäubt und in den Pflugfurchen haben sich zum Eisrutschen einladende Flächen gebildet. Nach etwa drei Kilometern ist die erste Kontrollstelle erreicht. Hier kann man sich gegen Vorlage der Startkarte bei einem Gratis-Tee aufwärmen, ein Angebot, was bei rund drei Grad Celsius und einem anfangs noch bedeckten Himmel von vielen Wanderern gerne angenommen wird. Außerdem gibt es hier den begehrten Stempel in die Startkarte, der nach dem Absolvieren der gewählten Strecke mit einem IVV-Wertungsstempel im Wertungsheft dokumentiert wird. Je mehr Wertungsstempel darin sind, desto näher rückt die Erlangung des in verschiedene Stufen unterteilten und durch eine Verleihungsurkunde manifestierten Volkssportabzeichens, was die meisten Häufig- und Vielfach-Wanderer anstreben. Neben dem Faktor der Gesunderhaltung mache Spaß und Geselligkeit, so wird es gesagt, den Volkssport Wandern attraktiv. Doch beim Laufen kommen die beiden Aspekte nur am Rande zum Tragen. Lediglich diejenigen, die paarweise oder in kleinen Gruppen mit etwa vier Kilometern pro Stunde wandern, nehmen die gesellige Gelegenheit wahr, beim Gehen miteinander zu plaudern. Für einige Kinder, wie den zwölfjährigen Justin, bietet der Wandertag eine gute Gelegenheit, sich einmal tüchtig an der frischen Luft auszutoben. Nach gut einer Stunde sind die ersten Wanderfreunde von der kurzen Tour zurück. In der immer noch prall gefüllten Turnhalle beginnt für sie jetzt das Warten auf die Vereinsfreunde, die die längeren Strecken gelaufen sind. Die Zeit wird genutzt, um Freunde und Bekannte zu begrüßen, die ihnen bei den vielen verschiedenen Wandertagen immer wieder begegnen. Der Vorsitzende der Wanderfreunde Crailsheim verspricht, mit einer Delegation seines Vereins den „Schnellen Füßen" im Oktober einen Gegenbesuch abzustatten, wenn die zu ihrer 32. Internationalen Volkssportveranstaltung nach Winningen einladen. Der Koblenzer Verein trifft außerdem auf den erfolgreichen, ihnen gut bekannten Ultramarathon-Läufer Rainer Koch. Der 34-Jährige aus dem fränkischen Dettelbach versteht unter Ultramarathon nicht einfach eine Strecke von mehr als 42,195 Kilometern. Einhundert Kilometer müssen es schon sein, die läuft er regelmäßig, und das in einer Zeit von plus/minus acht Stunden. Mit 28 Jahren gewann er den schwersten Etappenlauf in Europa, rund 4.500 Kilometer von Bari zum Nordkap. Die „Flinken Füße" sind stolz, dass er für ein Foto mit ihnen vor ihrer Vereinsfahne posiert. Nachdem alle per Bus angereisten Vereine von den Gastgebern ein Dankeschön in Form von Geschenken erhalten haben, ist es langsam Zeit, die Nachhausefahrt anzutreten. Während dieser fröhlichen Stunden lassen die „Flinken Füße" die letzten Geburtstagskinder hochleben und sprechen über neue Wanderpläne. Das spektakulärste Wander-Erlebnis steht Ende September bevor, wenn einige Mitglieder zur sechstägigen IVV-Olympiade nach China fliegen.

Ein deutscher Wanderverein: Der Volkssportverein "Schnelle Füße"

Das Wandern ist nicht mehr nur des Müllers Lust. Ganz Deutschland scheint das Wandern für sich entdeckt zu haben, Wanderwege sprießen fast wie Pilze aus dem Boden. Mehr als dreihundert hat der 1970 gegründete Deutsche Volkssportverband (DVV) zusammen mit seinen rund 800 angeschlossenen Vereinen und Organisationen eingerichtet. Mehr als 300.000 Personen sind beim DVV, der wiederum Mitglied des 1968 gegründeten IVV (Internationalen Volkssportverband) ist, registriert. Dem Verband angeschlossen, hat sich auch der Koblenzer Volkssportverein „Schnelle Füße", der Ende 1987 von einer 17-köpfigen Wanderfreunde-Gruppe gegründet wurde. Schon im Jahr nach seiner Gründung organisierte der Verein, der heute seinen Sitz in Mülheim-Kärlich hat, seine erste eigene Volkssport-Veranstaltung mit Wanderstrecken von 10 und 20 Kilometern, ab und bis Wolken. In diesem Jahr richtet er bereits seine 32. Internationale Volkssportveranstaltung aus, und zwar in Winningen, wo schon seit einigen Jahren die dortige August-Horch-Halle die Heimathalle der „Schnellen Füße" ist. Rund 2.000 Teilnehmer werden am 24. und 25. Oktober dazu erwartet. Der große Erfolg der ersten Veranstaltung mit damals mehr als 3.000 Teilnehmern motivierte den Verein, das Wanderstreckenangebot nach und nach zu erweitern. Sogar eine Marathonstrecke (42,195 km) richtete er ein, eine 50- und eine 65-Kilometer-Strecke kamen in den Jahren 1995 und 2010 hinzu. Als der Verein im Jahr 2012 seinen 25. Geburtstag feierte, organisierte er seinen ersten Internationalen Welterbemarsch über die Distanz von 60 Kilometern. Wie die meisten Wandervereine, betreiben auch die „Schnellen Füße" permanente Wanderwege, das sind ganzjährig begehbare Rundwege mit Streckenlängen zwischen 5 und 42 Kilometern. Der älteste wird seit 2008 in Koblenz unter dem Namen "Rittersturz" angeboten. In den folgenden sechs Jahren sind drei weitere hinzugekommen: "Mosella Zauber" in Winningen sowie "Laacher See" und "Maria Laach". „Stolzenfels" als fünfter ist bereits in Planung. Alle sind wegen ihrer landschaftlichen Schönheit sehr reizvoll. Darüber hinaus erwandern etliche der 66 Mitglieder des Vereins (davon elf aus Koblenz) Woche für Woche, oft sogar mehrfach innerhalb einer Woche, die vielen Wanderstrecken der befreundeten Vereine, wie zum Beispiel in Bendorf, Ebernhahn im Westerwald, Limburg, Trier oder Wiesbaden. Bei deren Wandertagen errangen sie zahlreiche Ehrenpreise als teilnehmerstärkste Gruppe. Um Gesundheit mit Spaß und Geselligkeit zu kombinieren, organisieren die „Schnellen Füße" nahezu jeden Monat eine Busfahrt zu einem, von anderen Wandervereinen ausgerichteten Wandertag, bei dem den Wanderfreunden verschiedene Streckenlängen zum Erwandern und Erlaufen angeboten werden. Ihre erste Busfahrt dieses Jahres führte 25 „Schnelle Füße" nach Crailsheim in Baden-Württemberg. Selbstbewusst, mit der Vereinsfahne voran, zogen sie in die dortige Start/Ziel-Turnhalle ein. Die Fahne mit Schängel und Deutschem Eck, der Stolz des Vereins, ließ er 1993 nach der Idee eines inzwischen verstorbenen Mitglieds für 5.000 DM, finanziert aus Spendengeldern, anfertigen. Am 12. April geht es per Bus nach Consdorf in Luxemburg und am 14. Mai nach Goe in Belgien. Auch diejenigen, die nicht nur wegen der Eintragungen in die Wertungshefte zur Erlangung des Volkssportabzeichens die verschiedenen Strecken erlaufen, sondern lieber bei einer geführten Tageswanderung (sogar als Marathon im Angebot) Anekdoten über Land und Leute oder Wissenswertes über Tier-/Pflanzenwelt und zu den Sehenswürdigkeiten hören möchten, sind bei den „Schnellen Füßen" gut aufgehoben. Am 01. Mai veranstaltet die „Romantischer Rhein Tourismus GmbH" unter dem Namen „R(h)einwandern in den Frühling" einen Wander-Ereignistag im nördlichen Mittelrheintal von Bonn bis Rhens mit zahlreichen Veranstaltungen rund ums Wandern und Genießen. Die „Schnellen Füße" beteiligen sich daran mit einer geführten Tageswanderung von der Keltenschutzhütte in Bassenheim über den Rhein-Burgen- und Streuobstwiesen-Weg nach Mülheim-Kärlich, wo der Krönung der Kirschblütenkönigin beigewohnt werden kann. Ein Höhepunkt im Wanderjahr sind für alle Volkssportvereine die mehrtägigen IVV-Sportfeste Olympiade und Europiade, jährlich im Wechsel. Wer daran teilnimmt, kann sich nicht nur in der Disziplin Wandern sondern auch bei Nordic Walking, Laufen, Schwimmen und Radfahren bewähren. Bei diesen, von tausenden von Volkssportlern aus vielen Ländern besuchten Sportfesten zählt ausschließlich das Motto „Dabei sein, ist alles!". In diesem Jahr werden einige Mitglieder im September zur 14. IVV-Olympiade fliegen, die zum ersten Mal in einer chinesischen Stadt (Chengdu) stattfindet. Im Mai 2016 lockt dann die 3. IVV-Europiade die Sportsfreunde nach Kitzbühel. Einen großen Erfolg konnten die „Schnellen Füße" damit erringen, die 15. IVV-Olympiade im Jahr 2017 nach Koblenz zu holen. Mit der Vorstellung der Olympiabewerbung beim IVV-Weltkongress im vorigen Jahr in Hamburg überzeugte der Verein die Delegierten, indem er alle Schönheiten der Stadt am Deutschen Eck auf dem Silbertablett präsentierte. Gegen die attraktive Bewerbung der österreichischen Stadt Tauplitz, vorgetragen vom ehemaligen Skispringer und Weltcupsieger Hubert Neuper, setzte sich Koblenz mit 73 von 97 Stimmen durch. Demnach darf vom 06. bis 10. Juni 2017 die Sportwelt zu Gast bei Freunden in Koblenz sein, wo die „Schnellen Füße" eine Veranstaltung der Superlative auf die Beine stellen wollen.